Unentdecktes Alentejo - Ein Paradies für Individualreisende und Kulturfans
Portugal - Alentejo
Das Alentejo ist zwar bekannt für seine gute Weine und außergewöhnlichen Landschaften, doch über lange Zeit fristete die Region südlich der Hauptstadt Lissabon im Vergleich zu den touristischen Hotspots ein Schattendasein.
Nun geht es aber nach der Pandemie nach Auswertung des portugiesischen Fremdenverkehrsamtes steil bergauf und einige renommierte Hotelketten planen im Alentejo den Neubau von Hotels.
Die Zielgruppe für diese Region sind Individualtouristen, Kulturinteressierte, Wanderurlauber und Wassersportler.
Anreise
Je nach Lage der Unterkunft empfehlen sich aus Deutschland direkte Flüge nach Lissabon oder Faro, um dann mit einem Mietwagen in das gebuchte Hotel zu fahren.
Die Anmietung eines Autos bietet sich an, ab Lissabon verkehren aber auch diverse Züge in die Region östlich der Hauptstadt, sodass sich auch dieses Verkehrsmittel empfiehlt.
Die Region Alentejo nimmt flächenmäßig etwas ein Drittel von Portugal ein, ist allerdings nur dünn besiedelt. Sie grenzt im Süden an die Algarve, im Westen an Lissabon und im Osten an Spanien. Das Alentejo ist geprägt von Atlantikstränden sowie ihrem kulturellem Erbe, das in zahlreichen Kleinstädten bis heute erhalten und zu besichtigen ist. Zahlreiche historische Gebäude wie Burgen, Schlösser, Festungen und Klöster geben einen Einblick in die Geschichte des Landes.
Viele Besucher übernachten in historischen ehemaligen Herrenhäusern, auf modernen Weingütern oder in Landhotels.
Ideale Reisezeit und klimatische Bedingungen vor Ort
Die Winter sind im Süden Portugals angenehm mild, sodass der Alentejo u.a. als Traumziel für Urlauber rund um den Jahreswechsel gilt. Selbst im Dezember, Januar und Februar klettert das Thermometer täglich auf bis zu 15°C und die Sonne scheint mehrere Stunden vom Himmel.
Im Frühling und Herbst ist das Wetter mit Höchstwerten von 18-20°C ideal für Wander- und Aktivurlaube geeignet. Auch für kulturinterssierte Reisende empfehlen sich die Übergangszeiten, um sich die vielen historischen Bauwerke und sonstigen Sehenswürdigkeiten der Region anzuschauen.
Wer sich hingegen an den Sandstränden entlang des Atlantiks entspannen möchte oder eim Surfen unvergessliche Stunden in den Wellen verbringen will, sollte seine Reise so planen, dass man zwischen Juni und September im Alentejo ist. Dann steigt die Wassertemperatur im Atlantik auf bis zu 20°C. An Land sind im Hochsommer Temperaturen von etwa 30°C zu erwarten. Dazu gehören täglich bis zu zehn Sonnenstunden und nur wenige Tage mit leichten Regenfällen. So richtig überlaufen sind die Strände an der Atlantikküste im Alentejo während der Hochsaison aber auch nicht.
Der Norden des Alentejo bietet ein Kontrastprogramm: Die Hügel sind hier steiler, bewachsen mit Stein- oder Korkeichen. Eine Landschaft, in der große Felsblöcke optische Akzente setzen und auf deren höchsten Hügeln die Menschen schon vor Jahrhunderten wehrhafte Städte errichtet haben, von deren Burgmauern der Besucher den Blick weit über das Land schweifen lassen kann. Das schönste dieser Städtchen ist das uralte, wie ein Adlerhorstauf einem hohen Felsen klebende, Marvao.
Natur und Landschaft
Korkeichen benötigen für ihr Wachstum Temperaturen um die 13 bis 17 Grad im Jahresdurchschnitt. Damit bietet die Region nicht nur ideale klimatische Voraussetzungen für für die Korkeichen, sondern auch als Ganzjahresreiseziel. Zudem benötigen die Korkeichen viel Platz, damit sie ausreichen Sonnenlicht bekommen. Bestände dieses Baumes bedecken in Portugal eine Fläche von 750.000 Hektar, davon befindet sich ein Großteil im Alentejo. Die nicht enden wollende Weite der Korkwälder ist perfekt für Wanderer, Biker und Natururlauber.
Einst galt vor allem der Süden des Alentejo als Kornkammer Portugals. An diesem Charakter hat sich wenig geändert, auch wenn sich die schier endlosen Getreidefelder, auf deren Hügeln oft Korkeichen oder Olivenbäume stehen, inzwischen mit immer weiterwachsenden Weinfeldern und Viehweiden abwechseln. Eine Landschaft, durch die man Stunden fahren kann, vorbei an friedlich weidenden Pferden, über kleine Flüsse und durch Dörfer mit strahlend weiß gekalkten Häusern.
Region der Traditionen
Überall spürt man hier die ereignisreiche Geschichte und findet Spuren, die Römer, Araber, Spanier und viele portugiesische Dynastien hinterlassen haben. Die Tradition prägt Feierlichkeiten, Kunsthandwerk und Küche, die zu den besten des Landes gehört - obwohl oder gerade, weil sie eine typische Arme-Leute-Küche ist.
Gleich vier Kulturtraditionen der Region Alentejo haben es zudem auf die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes geschafft: die Kuhglocken des Alcácovas (die sogenannten Chocalhos), der Cante Alentejano (ein mehrstimmiger Chorgesang, der immer von Amateuren ohne instrumentale Begleitung und fast immer in Tracht vorgetragen wird), das Tonfiguren-Handwerk aus dem Städtchen Estremoz und die Falknerei.
Ein Besuch im historischen Städtchen Évora gehört zum Pflichtprogramm: Das geschichtsträchtige Stadtzentrum mit seinen Baudenkmälern aus mehr als zwei Jahrtausenden ist UNESCO-Weltkulturerbe. Umschlossen wird es von einer gut erhaltenen historischen Stadtmauer. Besonders sehenswert ist die Knochenkapelle "Capela dos Ossos". Die Wände und Säulen sind mit über 5.000 Totenschädeln und Gebeinen verziert. Die Idee ist aus der Not heraus enstanden, als die Kapazität des naheliegenden Friedhofs an ihre Grenzen gestoßen war. So sollten die sterblichen Überreste eine würdevolle, letzte Ruhestätte erhalten.
In der Nähe von Évora befindet sich der Steinkreis Cromeleque dos Almendres. Im Gegensatz zu Stonehenge in Südengland können Besucher sich im Cromeleque dos Almendres überall frei bewegen und dürfen die Steine sogar berühren. Der Steinkreis entstammt der Megalithkultur am Übergang von der Steinzeit zur Kupferzeit. Einige der 95 Steine sind verziert mit Augen, Kreisen, Zickzacklinien sowie Darstellungen von Sonne und Mond. Knapp drei Kilometer vom Steinkreis entfernt, befindet sich zudem noch ein einzelner großer Hinkelstein.
Neben Évora hat der Alentejo mit der Garnisonsstadt Elvas gleich noch ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe im Repertoire. Aufgrund seiner strategischen Lage in der Nähe zur spanischen Grenze hatte Elvas immer wieder eine bedeutende Rolle als Verteidigungsfestung. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich durch den stetigen Ausbau der Verteidigungssysteme die größte Trockengraben-Befestigungsanlage der Welt.
In unmittelbarer Nähe von Elvas befindet sich mit dem beeidruckenden Amoreira Aquädukt ein weiteres Wahrzeichen der Stadt.
Sehenswert sind vor allem die Festungen Castelo de Elvas, Forte de Santa Luzia sowie Forte da Graca. Aber auch die vielen kleineren Festungenanlagen sind spannende Zeitzeugen.
Ebenfalls an der spanischen Grenze befindet sich die Festungsstadt Marvao, die den Beinamen Adlerhorst trägt. Spektakulär liegt das Städtchen mit seinen weiß leuchtenden Häusernauf einer Höhe von 856 Metern mitten auf einer Granitwand auf einem Gipfel des Serra de Sao de Mamede-Gebirges.
Atemberaubend ist der Ausblick vom mittelalterlichen Städtchen Monsaraz etwas weiter im Landesinneren auf einer Anhöhe gelegen. Das Städtchen ist komplett autofrei, sodass sich Besucher in Ruhe treiben lassen können. Ebenso herrlich, wie der Blick auf die mehr als 300 Jahre alten weißen Häuschen mit ihren roten Dächern und gusseisernen Balkonen, ist die fantastische Aussicht auf den Alqueva Stausee.
Sportmöglichkeiten
Auch für Aktivurlauber hat der Alentejo einiges zu bieten: Hervorragende Wanderrouten wie die Rota Vicentina an der Küste, der Transalentejo rund um den Alqueva Stausee oder die Alentejo Feel Nature Route im Naturpark Serra de Sao Mamede lassen das Herz von Wanderern, Radfahrern und Naturliebhabern höher schlagen. Wen es eher ans Meer zieht, sollte sich auf jeden Fall im Stand Up Paddling versuchen. Der leichte bis mittelstarke Wellengang bietet ideale Vorraussetzungen dafür. Auch für Wind- und Kitesurfer sind die weitläufigen Strände bestens geeignet, denn vom Massentourismus ist hier nichts zu spüren.
Strand (fast) ohne Ende - der längste Strand Portugals
Nur knapp eine Stunde von Lissabon entfernt befindet sich in der Region Alentejo der längste Strand Portugals. Obwohl der fast weiße Sandstrand ohne Unterbrechungen knapp 50 Kilometer von der Halbinsel Tróia bis nach Siens erstreckt, ist er über weite Strecken nicht bebaut und es gibt nur wenige Zufahrtmöglichkeiten, um ans Meer zu gelangen.
Die Strandabschnitte tragen Namen wie Comporta, Carvalhal oder Aberta Nova und ein Stranstück ist schöner als das andere. Es gibt viel Platz für Individualreisende, Wassersportler und Sonnenhungrige an dieser Küste.
Der Strandabschnitt von Comporta erfreut sich bei Urlaubern wegen seiner leichten Zugänglichkeiten und guten Parkmöglichkeitern großer Beliebtheit. Für Wassersportler gibt es hier zahlreiche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Der mittelstarke Wellengang ist ideal zum Kitesurfen geeignet. Der Familienbetrieb Surf in Comporta bietet Surfkurse und Stand-Up-Paddle an. Trotz der großen Beliebtheit ist der Strandabschnitt nicht überlaufen. Da der Strand zum Naturschutzgebiet der Sadomündung gehört, gibt es hier kein einziges Hotel. Die ursprüngliche Naturlandschaft der Dünen ist so erhalten geblieben.
Besuchte Hotels
Évora:
Mar d` Ar Muralhas (4 Sterne): Charmantes Hotel im historischen Kern von Évora direkt an der Stadtmauer mit 91 Zimmern und Suiten.
Mar d` Ar Aqueduto (5 Sterne): Boutique-Hotel und aufwändig restaurierter Palast aus dem 15. Jahrhundert im historischen Zentrum.
Elvas:
Vila Gale Collection Hotel Elvas (5 Sterne): Ehemaliges Paulaner Konvent in der UNESCO-geschützten Altstadt von Elvas mit Klosterambiente und zeitgemäßem Wohnkomfort mit 79 Gästezimmern.
Ihre Gabriela Potthast
Good to know
Daten und Fakten
Gesamtfläche: ca. 27.000 Quadratkilometer
Küstenlänge: ca. 120 Kilometer
Einwohnerzahl: ca. 520.000
Zeitzone: GMT
Grenzen: Im Norden grenzt der Alentejo an die Regionen Lissabon und Centro, im Osten an Spanien, im Süden an die Algarve und im Westen an den Atlantischen Ozean.
Kleidung: Im Sommer ist leichte Baumwollkleidung empfehlenswert, auch Sonnenschutz und Sonnenbrille gehören unbedingt ins Gepäck. In den Wintermonaten sollte man dicke Pullover und eine warme Jacke dabei haben.